Modern Times- Chronik des Scheiterns.

Versuche gerade meinen kaputten Kindle mit der Machete aufzuhebeln. Erfreuen wir uns also nochmal rasch meiner zehn Finger. Gleich is vorbei.

 

Im Pantanal wird die Machete ja wie das Schweizer Taschenmesser für alles Mögliche genutzt, bloß, dass sie nicht viele verschiedene Werkzeuge, sondern nur die eine vollkommen überdimensionierte Klinge hat. Wie man die dann zum gewünschten Zweck einsetzen kann, muss man sich gefälligst selbst überlegen. Die Motivation ist bei mir hoch. Wenn ich das Ding nicht repariert bekomme, habe ich einen Monat nix zu lesen. Dann doch lieber nur neun Finger und ein Buch.

 

Ich wollte mit Kindle statt Papierbuch etwas Modernität in mein in vielerlei Hinsicht antiquiertes Dasein bringen und schon scheiße: Kindle bleibt mitten im sechsten Band Game of Thrones auf einmal schwarz (war aber auch das alte Kindle meines Vaters. Bloß nicht übertreiben mit der Modernität. Und jaja, jetzt mal so langsam damit anzufangen Game of Thrones zu LESEN um dann irgendwann die Serie anzugucken ist jetzt auch nicht gerade am Puls der Zeit…). Weiterer verpatzter Versuch der Modernisierung meines Lebens: Die neuen Bluetooth Kopfhörer. Die nerven auch. Die eine Seite koppelt sich immer mit dem Computer, und die andere mit dem Telefon. Hört man sein eigenes Gesabbel für das Radiotagebuch auf dem einen Ohr, während Billy Joel auf dem anderen Ohr singt. Haha wo ich’s so lese: Ich gebe zu, der ist auch nicht gerade der heiße Scheiß. Ich bleibe jedenfalls bei meinen braven, immer zuverlässigen Kabelkopfhörern. Die funktionieren sogar nachdem ich sie kürzlich in der Waschmaschine mit gewaschen habe noch einwandfrei. Ich bin ja vermutlich auch die letzte Person die noch einen Kassetten- und einen VHS-Rekorder zuhause in Köln besitzt und wohlgemerkt nutzt. Da weiß man was man hat. Falls mal jemand ein Museum für „Wohnen zur Jahrtausendwende“ errichten möchte, kann er dies einfach in meiner Wohnung tun und müsste nichts ändern. Abgesehen vom Flachbildfernseher. Den habe ich seit letztem Jahr. Aber nur, weil ich mit meinem geliebten, kleinen Röhrenbildfernseher nicht mehr ins DVBT Netz kam. Der neue flache Fernseher hat aber gottseidank einen Scarteingang, sonst könnte ich meinen Gamecube und die Playstation2 ja gar nicht mehr betreiben. Oh man. Verkaufen wir es mal als Antikapitalismus.

 

Natürlich hat so ein Kindle gerade beim Reisen, zumindest solang es funktioniert, gewaltige Vorteile: Hätte ich sechs physische Bände Game of Thrones in den Koffer gepackt, wäre wohl kaum Platz für Kleidung geblieben. Dann hätte ich hier nackt gehen müssen. Das hätte auf der Farm sicher für ein großes Hallo gesorgt. Dann hätte das Filmteam eine „Naturalist Documentation“ anstelle der „Nature Documentation“ drehen müssen. Dabei wäre besonders der Vergleich der Einschaltquoten von Interesse.

 

Das Kindle gab nicht nur den Löffel ab, sondern schleuderte ihn eher mit Verve von sich, ziemlich genau zu dem Zeitpunkt, an dem mein Telefon nach Wochen wieder zu vollständiger Funktionalität gefunden hatte. Vielleicht war ja Eifersucht im Spiel, dann hilft mir das Abhebeln der Rückwand, das ich hier gerade mit der Machete versuche, auch nicht weiter. Vielleicht sollte ich vielmehr einen Strauß Blumen pflücken. Wie auch immer: Nachdem mein altes Telefon ja baden gegangen war, ging beim Neuen bekanntermaßen Whatsapp nicht mehr, weil man zur Installation Telefonempfang braucht. Den gibt es hier in der Pampa natürlich nicht. Mit einer Reise meiner SIM-Karte in die Stadt versuchte ich das Problem zu beheben und nach nur drei Wochen- tadtaaa, funktioniert es jetzt wieder. Meine SIM-Karte hat in der Zwischenzeit mit verschiedenen Personen allerhand spannende Kurztrips in Brasilien unternommen, zuletzt nach Rio. Sie kann jetzt vermutlich einen eigenen Reiseblog aufmachen. Oder ein Insta-Profil mit Selfies neben diversen Sehenswürdigkeiten. Jedenfalls hat es sich gelohnt und mein Whatsapp ist reaktiviert. Die Aktualisierung der 1000 Nachrichten (878 davon in der Jaguargruppe mit SEHR mitteilungsfreudigen Brasilianern- und es gibt dieses Jahr halt auch so viele Jaguarsichtungen…) dauerte ca. 24 Stunden im Sumpfnetz, aber dann lief alles wieder. Für so geschätzt 3 Minuten, dann verabschiedete sich das Kindle. Ob nur für ein Weilchen in die Sommerferien oder für alle Ewigkeit ins Nirvana, versuche ich gerade rauszufinden.

 

Die Nerven bei der riskanten Macheten-Reparatur beruhigen Lakritz-Katzenpfötchen. Die habe ich gestern von deutschen Gästen mitgebracht bekommen, die mein Buch gelesen und dabei gut aufgepasst haben, mit was man mir was Gutes tun kann. Hat sich die Buchschreiberei ja doch noch gelohnt. Falls jemand auf die Farm zu Besuch kommt der meinen Blog liest und mir eine Freude bereiten möchte: Champagner mag ich ja auch sehr gerne. Am liebsten in Kombination mit Beluga-Kaviar. Antikapitalismus? PAH!!!

 

Huch? Noch gar kein Katzencontent? Here you go:

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Alex (Mittwoch, 07 August 2019 01:01)

    Wenn der Kindle kaputt ist, empfehle ich die Kindle-App fürs Smartphone. Am Anfang muss man sich zwar an das kleinere Display gewöhnen, aber das geht sehr schnell. Außerdem synchronisiert sich die App mit dem Kindle und man kann da weiter lesen, wo man mit dem anderen Gerät aufgehört hat.

  • #2

    Lydia (Freitag, 09 August 2019 07:31)

    Huhu! Danke Alex- aber ich könnte hier weder die App, noch dann die Bücher runter laden #Sumpfinternet. Man bekommt hier alle Daten nur in homöopathischen Dosen durchgequetscht. Habe dat Dink am Ende mit der Machete repariert bekommen. Gewusst wie!